Roboter mitten unter uns!

Jun 06, 2013 Kommentare deaktiviert für Roboter mitten unter uns! by

Anlässlich der Roboter Ausstellung, anfangs März im Technopark hatte ich die Gelegenheit in eine Zukunft einzutauchen, welche gleichzeitig eine enorme Faszination  ausstrahlt, jedoch ebenso zum nachdenken anregt.

Das viele Menschen im Raum Zürich sich dieser Faszination nicht entziehen konnten, bekamen die Veranstalter an den Toren zur Ausstellung spüren. Wartezeiten von mehr als 2 Stunden mussten in Kauf genommen werden. Doch nicht nur dies wurde den Besuchern zugemutet, sondern auch noch eine Begrenzung der Besuchszeiten. Im Gespräch mit den Wartenden, wurde dem Frust dann auch freien Lauf gelassen. Verständlich hatte praktisch alle die Eintrittsbillette im Vorverkauf bezogen. Und diese sind mit CHF 40.—nicht gerade als günstig zu bezeichnen. Für eine nächste Ausstellung bleibt zu hoffen, dass die Organisatoren sich aus diesem Umstand die nötigen Rückschlüsse ziehen werden.

Bereits wenige Tage zuvor wurde im Radio Energie über die Ausstellung berichtet und über die Studie „Robotik in Betreuung und Gesundheitsvorsorge“ diskutiert. Der Fachkräftemangel, der steigende ökonomische Druck und die demografische Entwicklung im Gesundheitswesen führen dazu, dass bei der Betreuung und Versorgung von Menschen zunehmend technische Lösungen in Betracht gezogen werden.

Dieser Umstand löst vielerorts ein enormes Unbehagen, ja sogar Ängste aus. Verständlich werden die meisten Roboter und autonomen Geräte, die dafür in Frage kommen, unter Ausschluss der breiten Masse entwickelt und erprobt. Eine breite Diskussion über die Folgen für die betroffenen Menschen, Institutionen und Gesellschaft steht noch aus.

In der Studie „Robotik in Betreuung und Gesundheitsvorsorge“ von Frau Professor Heidrun Becker, werden die Geräte nach ihrer Funktion in drei Gruppen eingeteilt:

  1. Trainingsgeräte und Hilfsmittel welche der Rehabilitation von Patientinnen und Patienten dienen und deren Mobilität und Selbständigkeit fördern.
  2.  Assistenz- und Telepräsenzroboter entlasten den Menschen oder ersetzen seine physische Anwesenheit.
  3.  Sozialinteraktive Roboter können den Menschen begleiten und mit ihm interagieren. Die Studie ermittelt Chancen und Risiken im Hinblick auf einen technisch machbaren, wirtschaftlich realisierbaren und ethisch wünschenswerten Einsatz solcher Geräte und formuliert auf dieser Grundlage Empfehlungen.

Die Studie kann auch bei buch.ch gekauft werden. Hier der Link:

Es ist zu hoffen, dass die öffentliche Hand und die Gesellschaft, mit der Diskussion über Einsatz und Regulierung solcher Hilfsmittel sofort beginnt. Allerdings  lässt die Geschichte über die Industrialisierung, weiter über Computerisierung und Virtualisierung und deren Auswirkung auf unsere Gesellschaft nichts Gutes erahnen. Hat doch schon Joseph Weizenbaum schon früh erkannt welche Auswirkungen der Computer auf die Gesellschaft haben wird. Doch die Diskussion wurde nie breit geführt. Wer sich dafür interessiert kann zuerst mit dem Interview in Buchform beschäftigen. Der Titel lautet „Kurs auf den Eisberg“. Danach kann mit der Literatur „ Wer erfindet die Computermythen?“ und „ Computermacht und Gesellschaft“ weiter gelesen werden. Leider sind nicht alle Bücher von Joseph Weizenbaum im Handel erhältlich, es lohnt jedoch sie zu suchen. Sind die Werke im Grunde immer noch aktuell, denn Roboter sind grundsätzlich nichts anderes als mobile Computer.

Nach diesem Exkurs, welche jedoch mir wichtig erscheint, kommen wir zur eigentlichen Ausstellung. Mit drei Fragen besuchte ich diese Ausstellung und hoffte natürlich mit Antworten die Veranstaltung verlassen zu können.

  1. Wie weit ist die Forschung wirklich?
  2. Wo sind die Chance der ganzen Robotik?
  3. Und welche Rolle spielen Apple Computer dabei.

Wie weit ist die Forschung wirklich?

Oder anders formuliert, wie serienreif sind die vorgestellten Roboter? Müssen wir damit rechnen, dass bereits in 2-3 Jahren die Roboter zu unserem täglichen Erscheinungsbild gehören? Ich habe zwei bereits im Alltag eingesetzte Produkte etwas genauer angesehen.

Paro die interaktive Robbe

Diese Robbe ist wohl einer der bekanntesten Roboter, denn die Medienschaffende stürzen sich richtiggehend auf das Knuddelding. Doch was ist Paro den eigentlich genau?

Paro 2 Paro 1

Paro ist ein japanisches, interaktives High-Tech Produkt, welches in der Pflege und Aktivierung von Menschen fortgeschrittenen Demenz-Symptomen eingesetzt wird. Andere Zielgruppen sind beispielsweise Menschen mit Physischen oder mentalen Problemen Probleme, aber auch mit Gehirnverletzungen oder Kinder die Langzeit hospitalisiert sind.

Durch die Stimulation von Kontakt und Kommunikation wird eine ganze Bandbreite, Gefühle, Gedächtnis, Sprache und Aufmerksamkeit beim Menschen angesprochen und aktiviert. Die unterschiedlichen Sensoren und Speicherfunktionen ermöglichen Paro das öffnen und schliessen der Augen, die Wiedergabe von Geräuschen und Bewegung ermöglichen somit eine Interaktion mit dem Menschen.
Wie sinnvoll der Einsatz von Maschinen in der sozialen Interaktion ist; darüber werden sich die Fachleute noch lange streiten denke ich. Aber auch wir als Gesellschaft sind gefordert. Ich hatte eingangs die Bücher von Joseph Weizenbaum erwähnt. Er hat seinerzeit das Computerprogramm Eliza entwickelt, ein Programm für den Einsatz in der Psychiatrie. Dabei hat er festgestellt dass Menschen einem Computer innert wenigen Minuten mehr anvertrauen, als einem ausgebildetem Psychiater. Er hat festgestellt dass die Gesellschaft  die Verantwortung im nu den Maschinen delegieren, was aus ihm einen Kritiker der Computertechnologie Gesellschaft werden liess.


REEM der Kommunikationsroboter

REEM 1 REEM 2

Wir können REEM auch als fahrende Informationssäule deklarieren, allerdings mit mehr Interaktionsmöglichkeiten. Sein Programm umfasst neben einem Navigations- und Auskunftssystem, auch eine Stimm- und Gesichterkennung. Er kann als Guide mit Gepäcktransportmöglichkeit auf einem Flughafen im Einsatz, wie ebenso an grossen Ausstellungen und vielem mehr. Sein Touchscreen kann mit verschiedenen Multimedia Applikationen, Plänen und Informationen zusätzlich versehen werden. Wie auf dem Foto ersichtlich haben die Leute wenig Berührungsängste


Emotionen?

Was natürlich dem Ausdruck im Robotergesicht zu tun hat. Eine interessante Sache ist dies, obwohl vor uns Plastik und Elektronik entgegenblinzeln löst dies bei uns die verschiedensten Emotionen aus. Hier ein zwei Beispiele.

Emotion 1 Emotion 2

Was uns natürlich zu weiteren Fragen drängt. Ist es möglich dass Maschinen Gefühle ausdrücken können? Dieser Frage ist ein Projekt im Hochschulbereich in Zürich nachgegangen und eigens kleine Roboter gebaut welche gewisse Emotionsabläufe abbilden. Als Foto ist es relativschwierig einzufangen das es ein ganzer Sequenzenstrang ist welche die Emotion darstellt. Auf dem ersten Foto ein Roboter beim schaukeln mit kindlicher Freude, auf dem zweiten Foto ein narzistischer Roboter sein Spiegelbild betrachtend.

Und der Rest?

Vieles der gezeigten Sachen waren Prototypen, jedoch schon enorm für die Robotik weitentwickelt, im Vergleich mit dem Menschen jedoch noch weit entfernt. Nehmen wir nur mal die Feinmotorik der Hände. Ein Kind lernt schnell einen Gegenstand entgegenzunehmen und diesen zu halten ohne dass er herunterfällt oder demoliert wird. Beim Beispiel auf dem Foto wirkt die Übergabe des Balles extrem ungelenkt und gelingt erst nach mehreren erfolglosen Versuchen

Proto 1 Proto 2

Allerding gibt es bereits einen Clone Namens „Geminoid HI4“ des Japaners Hiroshi Ishiguro, die beiden gleichen sich bis aufs Haar. In der inszenierten Show war es zeitweise schwierig zu wissen welches das menschliche Original ist.

Proto 3

Dann gibt es die unterstützende Robotik, welche zum Teil, kurz vor der Serienreife steht. Dabei handelt es sich um hydraulische Systeme welche gewissen Funktionen unterstützen. Trotz viel Publikum ist es mir gelungen Gerät zu testen. Dabei geht es Unterstützung beim tragen schwerer Lasten. Das Gerät war anzuziehen wie ein Rücksack, mit dem Kinn konnte ich nun 2 Knöpfe bedienen. Zuerst hob ich einen grossen Getränke Harrasse nur mit Mühe hoch. Mit dem Kinn auf den linken Knopf gedrückt war dies dann ein Kinderspiel. Die Hydraulik ahmt den Hebevorgang nach und entlastet somit den Rücken. Sinnvoll für Menschen welche täglich hunderte von Kilos bewegen und heben müssen. Im Bild ein Ganzkörperanzug.

 

 

 

 

 

 

Eines der wichtigsten Einsatzfelder

In naher Zukunft wird im Bereich der Prothesen wichtige Neuerungen Einzug halten. Ersatz von Körperteilen welche sich durch Gedankenkraft bewegen lassen wie die verlorenen originalen Körperteile. Dies ist ein komplexer Vorgang und braucht von den Benutzern auch Training und geübte Kontrolle. Hier ein Beispiel eines Wissenschaftlers mit einer Unterarm-Handprothese. Er kann sie wie eine normale Hand einsetzen nur dass sie mechanisch ist.

Prothese 1 Prothese 2

Im Bild 2 seht ihr ein Trainigsprogramm für Prothesen gesteuert mit Gedankenkraft. Von Reha Robotics Schweiz gibt es einen Roboterarm, welcher am Rollstuhl befestigt die darin sitzende Person im täglichen Leben unterstützt und somit eine grössere Selbständigkeit ermöglicht.

Und was hat dies alles mit Mac zu tun?

Wusste ich doch, dass ihr die Frage stellen würdet. Einiges! Denn nach wie vor ist Apple im Unversitätsbereich stark vertreten. Dadurch wird vieles mit Mac entwickelt und umgesetzt. Gemäss Aussagen einer Wissenschaftlerin schätzt sie die Robustheit des Macsund favorisiert die Hard- und Software von Apple. Andererseits setzen die Forschenden gerne das ein was sie vorwärts bringt. So ist es zuweilen ein kunterbuntes Gemisch von Mac, iPad, Windows oder Linuxrechnern und Kinect von Microsoft um Bewegung des Zuschauers umzusetzen. Man kann ruhig behaupten das in Sachen Betriebssysteme interdisziplinär gearbeitet wird. Hier ein Beispiel von james, bei welchem das iPad als Gesicht zum Einsatz kommt.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA ipad 2

Oder das iPad als Steuerung von komplexer Steuerungsmechanismus für Roboter.

Von nccr-robotics gibt es eine Programiersprache namens ASEBA welche für alle Betriebsystem erhältlich ist. Gezeigt wurde es an der Ausstellung hauptsächlich mit dem Mac. Damit lässt sich der Kleinroboter Thymo II einfach programmieren. Thymo II wurde von der ETH Lausanne und der Kunstschule Lausanne entwickelt und kann direkt über ihre Webseite zum Herstellungspreis gekauft werden.

https://aseba.wikidot.com/de:thymiophilosophy

Ich werde in einen späteren Artikel vertieft auf Thymo II eingehen.

 

Das Projekt Roboy, der heimliche Star der Ausstellung

 

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Niedlich der Kleine, oder?

Roboy ist was spezielles, denn während andere Roboter sich mit mechanischen Bestandteilen abmühen, ist er komplett anthropomorph. Das Design beschränkt sich nicht nur in der äusseren Erscheinungsform, sondern auch seine innere Struktur mit Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen. Er ist kleiner als andere sehnengesteuerte Systeme (wie z.B. Kenshiro von der University of Tokyo, oder Roboys Vorgänger ECCE), was hohe Anforderungen an die Integration stellt.

Innovation und Forschung aus der Schweiz:

Roboy ist eine Forschungsplattform, dessen Philosophie auf dem Open-Source Prinzip beruht. Bei seiner Entwicklung werden neueste Forschungsergebnisse in der Praxis angewandt. Wenn Roboy fertig ist, soll er auch als Basis für weitere Forschungen und Projekte verwendet werden. Wissenschaft lebt davon, Ergebnisse anderen frei zur Verfügung zu stellen und weitere Forschung zu initiieren.

Das Ziel des Projektes ist es, besser zu verstehen, wie intelligentes Verhalten zustande kommt. Dazu gehört insbesondere die Untersuchung der Mensch-Maschine Interaktion. Aber auch die Untersuchung der Muskel-Sehnen Problematik.

Weitere Ziele

Im Lauf des Projektes, Abbau der Vorbehalte gegenüber Roboter und eine Community aufbauen, die an Robotik interessiert ist. Es gibt bereits eine ausgedehnte Community in der Robotik – auch schon in der Service Robotik – das Ziel von Roboy ist es, diese Community zu stärken und junge Leute dafür zu begeistern.

Roboy soll Botschafter und  Sympathieträger eine neuen Generation von Robotern sein, mit denen wir vielleicht eines Tages unseren Lebensraum teilen werden

Die Zukunft

Sein Bewegungsrepertoire wird sukzessive erweitert.
An der Ausstellung „Robots on Tour“ wird er gewisse Bewegungsmuster für Hände, Arme und Beine durchführen können (z.B. Hände schütteln), Leuten mit dem Augen nachschauen, Gesichter erkennen, und geschriebene Sprache in gesprochenen Text umwandeln und ausserdem besitzt er eine innovative Gesichtsmimik. Er bekommt rote Wangen, rote Augen etc.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Ob Roboy intelligent wird? Es gibt sehr viele Definitionen von Intelligenz. Evolutionsgeschichtlich gesehen, hat sich das, was wir als Intelligenz oder Denken bezeichnen immer als Teil eines ganzen Organismus, der mit der Umwelt interagieren, darin überleben und sich reproduzieren musste entwickelt. Diese Interaktion wird immer durch einen Körper vermittelt. Ziel ist es, dass Roboy zu einem späteren Zeitpunkt selbständig in der Interaktion mit der Umwelt lernen kann Objekte zu erkennen und Unterscheidungen zu machen

Die Filmwelt hat es vorgemacht

Aus vielen Science Fiction Filmen sind Roboter nicht mehr wegzudenken. IRobot, der Terminator und C-3PO waren ebenfalls zu besuch. Allerdings gut geschützt durch eine Glaswand.

Film 3 Film 2 Film 1

Fazit

Die erlaubte Zeit war zu kurz um tiefer in die Materie einzutauchen. Einige Produkte habe ich wegen grossem Publikumsandrang nur aus der Ferne sehen können. Die serienreifen Produkte sind durchaus für einen Einsatz denkbar, viele Ideen in der Interaktion mit Menschen faszinierend jedoch noch im absolutem Projektstadium. Anderes wie die fussballspielenden Roboter eher ein Flopp zum zuschauen. Denn die diese bewegten sich so langsam, dass die Roboter eine Halbzeit brauchten um von einem Tor zu dem anderen Tor zu gelangen. Meine Tochter war mit der Schule am Vortag zu Besuch an der Ausstellung. Ihr Kommentar: „Das war langweilig, die lagen eh nur auf der Nase.“

Michel Huber

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About the author

Seit bald 30 Jahren mit dem Mac unterwegs und bald 20 Jahre als Fachjournalist tätig. Hobbys sind neben Skifahren und afrikanischem Tanz, Fotografieren (www.die-andere-schweiz.ch) und Computerspiele (www.game-fokus.ch). Musik, Comics, gutes essen, spannende Gespräche mit Menschen. Meistens gehe ich neugierig und offen durch die Welt.
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